Truppenübungsplatz Wahn
Lage
Östlich von Wahn - zwischen
Lohmarer Wald, Sülztal und Königsforst - liegt der
Truppenübungsplatz Wahn.
Geschichte
Nachdem 1815 das Rheinland dem Königreich Preußen
zugesprochen wurde, beanspruchte das Militär schon 1817 einen
kleinen Teil der Wahner Heide als
Übungsgelände. Zuerst wurden lediglich die Flurschäden gering
entschädigt, aber schon 1818 wurde ein kleiner Geländeteil
nördlich der Scheuerteiche - der sogenannte
"Revue-Platz" - für knapp 3727 Taler
erworben.
Obwohl sich bis etwa 1860 die Artillerieschäden noch
sehr in Grenzen hielten - erst danach erreichten Geschütze mit
gezogenem Lauf größere Reichweiten - bestand schon früh
massiver Widerstand gegen die militärische Nutzung der Wahner Heide. Besonders die Einquartierung
der Soldaten stellte eine erhebliche Belastung dar, aber auch
die eingeschränkte Heidenutzung war Gegenstand andauernder
Proteste.
Als ab 1833 auch Feld- und Festungsartillerie sowie
reitende Brigaden in der Wahner
Heide übten, nahmen die Proteste derart zu, das erwogen
wurde, die Heide als Übungsgelände aufzugeben, doch entschied
man sich 1856 endgültig für die Beibehaltung des Standortes
Wahn. Seit dem wurden nach und nach Geländeteile dazu gekauft
(zum großen Teil auch enteignet). Bis 1916 war fast das gesamte
Gebiet zwischen Mauspfad, Kölner Straße, Sülz und Agger dem
Militär zugefallen.
1861 wurde das erste feste Gebäude gebaut, das
Offizierskasino, 1870 das Felddepot. Vorher waren Teile der
Truppen in Zelten und Strohhütten untergebracht. Nach 1870
wurde westlich des Mauspfades ein Barackenlager angelegt, das
zur Unterbringung französischer Kriegsgefangener diente. Bald
nach ihrer Entlassung schlossen sich weitere Gebäude, Baracken
und militärische Anlagen an. 1877 begann man mit dem Bau einer
Kleinbahnanlage um Material, Munition und Soldaten in schwerer
zugängliches Gelände zu transportieren. 1914 konnten fast 3800
Unteroffiziere und Mannschaften aufgenommen werden. Während des
I. Weltkrieges wurde der Komplex neben mehreren Ballonhallen
und einem Feldflugplatz auch um das
Nordlager, indem etwa 10.000 Kriegsgefangene untergebracht
waren sowie um ein Pionierlager erweitert.
1917 verlegte man das Kriegsgefangenenlager und die
Pioniereinheiten zugunsten verschiedener Ausbildungs- und
Schulkommandos. Nunmehr wurden Tag und Nacht Übungen der
Artillerie, Versuche mit giftigen Gasen und Bombenabwehrübungen
mit Zeppelinen und Kampfflugzeugen durchgeführt.
Ab Ende November fluteten unzählige Truppen der
Westfront durch Wahn und entließen sich selbst in die Heimat.
Der am 8. November 1918 gegründete Soldatenrat löste sich am
11. Dezember auf. Am folgenden Tag rückten Kanadier in Wahn
ein, die den Anwohnern nicht in guter Erinnerung blieben. Die
im Januar 1919 einziehenden Briten wurden 1920 von Franzosen
abgelöst.
Nach der Räumung der Kölner Zone durch die
Besatzungstruppen Anfang 1926 war die Wahner Heide nach über 100 Jahren erstmals
wieder frei von militärischer Nutzung. Infolge wurde die Heide
teilweise durch den Turmhof landwirtschaftlich genutzt und im
Lager selbst - welches zu einem Elendsquartier verkam - wohnten
Arbeitslose der Dynamitfabrik und ehemalige Zivilangestellte
des Schießplatzes. Der in den zwanziger Jahren aufkommende
Wunsch nach Erhaltung der Naturschönheiten ließ in der Wahner Heide 1932 ein Naturschutzgebiet
entstehen. Aber nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten
1933 wurde die Heide wieder vom Militär übernommen (zuerst in
Form von Polizeieinheiten).
1936 übernahm dann die Wehrmacht den
Truppenübungsplatz. Man erweiterte 1937 den Schießplatz von
2035 ha auf nunmehr 5200 ha. Altenrath lag nunmehr innerhalb
des Schießplatzgeländes und musste evakuiert werden. 1939
konnten nach weiterem Ausbau des Lagers 7300 Soldaten und 1750
Pferde untergebracht werden.
Anfang des II. Weltkrieges wurde der Feldflughafen wieder hergerichtet. 1940
wurde das Kriegsgefangenenlager "Hoffnungsthal"
gebaut, von dem heute noch der Friedhof zeugt. Zuerst waren
dort Franzosen und Polen untergebracht. Als 1944 dort vor allem
Russen untergebracht wurden, verschlimmerten sich die
Verhältnisse rapide. Die Verpflegung wurde ausgesprochen
schlecht und es kam zu Folterungen und Hinrichtungen. Trotz des
Feldflughafen und der Tatsache, das
auf dem Truppenübungsplatz ganze Divisionen aufgestellt wurden,
wurde das Gebiet mit Bombenabwürfen weitgehendst verschont (ein
Zufallsabwurf 1940 kostete 16 Menschen das Leben). Kurz vor dem
Einmarsch der Alliierten löste sich die Platzverwaltung wie
schon nach dem I. Weltkrieg auf und es kam wieder zu
Plünderungen. Die amerikanischen Panzerspitzen die am 11. April
1945 aus Richtung Spich die Wahner
Heide erreichten, stießen auf keinen nennenswerten
Widerstand.
Fortsetzung folgt! [hüstel']
Der Name
Ist von der Naturlandschaft "Wahner Heide" entliehen.
externe Links
Abbildungen:[1] Porzer Wappen, aus
"Unser Porz", Heft 2, 1961
[2] Postkarte "Gruss vom Schießplatz Wahn bei
Cöln", ???
[3] Postkarte "Gruss vom Schießplatz Wahn",
Verlag Heinrich Worringen, Cöln, 1910?
[4] Postkarte "Kriegsgefangene afrikanische
Hilfstruppen der Franzosen im Gefangenenlager Wahn",
Verlag Karl Rud. Bremer &Co, Köln
[5] Schießende Artillerie, gezeichnet von Max Bürger,
Titelbild "Der Truppenübungsplatz Wahn", 1940
Quellen:[1] "Die Wahner Heide" vom
Arbeitskreis Wahner Heide, 1989
[2] "Unser Porz" Heft 11, 1969
[3] "Die Heideterasse zwischen Rheinebene, Acher
und Sülz", Leipzig 1927
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letzte Änderung: 10.12.2000
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